IMG_0193

EPOPIC 2019 in Bukarest

Hier ein kurzer Bericht über die diesjährige EPO Patent Informations Konferenz in Bukarest. Seit 2008 gehört diese Konferenz, ausgerichtet von der Wiener Aussenstelle des EPA unter Leitung von Richard Flammer, zu meinem festen Programm. Dieses Jahr ist die EPO PIC noch etwas ganz besonderes, da sie nach einem Auftritt bei der IP2019 in Istanbul, der erst zweite offizielle Termin nach meinem längeren Sabbatical von April bis September war.

In diesem Jahr trafen sich etwa 350 europäische Patent Informations Professionals zum Erfahrungsaustausch und Networking, eingeladen vom OSIM, dem rumänischen Patentamt in Bukarest im Marriot Hotel. 

Am Dienstag startete das Programm mit Diskussionsrunden, in denen das EPO sich in Round Table Diskussionen Feedback der Community zu verschiedenen Themen einholt, die dann zum Schluss der Konferenz bereits kurz präsentiert werden und später auch noch ausführlicher auf der Konferenzwebseite veröffentlicht werden.

Ich habe die Diskussionsrunde 2 über AI/ML und die Auswirkungen auf die Klassifikation besucht. Mit einem Prüfer an unserem Tisch, der selbst klassifiziert haben wir ein paar interessante Punkte besprochen, die bei der durch AI/ML automatisierten Klassifikation auftreten könnten: amtsspezifische Unterschiede, Übersetzungen, Fehler in vorhandenen Klassifikationen (false positives, gold standard vs ground truth), ständige Erweiterungen und die daraus resultierende Reklassifikation und natürlich auch der berühmte Bias der heute intellektuellen Klassifikation. Mit Alexander Klenner-Bajaja, war unter anderen, auch einer verantwortlichen Spezialsten des EPA anwesend, der später im Programm noch einen eigenen Vortrag zum Thema halten sollte.

Danach die Diskussionsrunde 8 mit dem längsten Titel aller jemals gehaltenen Diskussionsrunden, kurz: Statistik Daten und Produkte des EPO. Hier ging es um die im neuen Espacenet enthaltenen statistischen Visualisierungen und natürlich um PATSTAT und GPI. Auch das Thema interessiert mich schon sehr lange und auch hier haben später im Konferenverlauf noch EPO Kollegen (Nigel Clarke) und ein Vertreter eines spanischen PIZ (Björn Jürgens) gemeinsam einen interessante Vortrag zum Thema gehalten.

Dann die offizielle Eröffnung der Konferenz mit dem Ehrengast: dem Direktor des US PTO, Andrej Iancu, der selbst hier in Rumänien geboren und als Jugendlicher nach USA ausgewandert einen sehr mitreisenden, etwas pathetischen Vortrag über die rumänischen Flugpioniere (u.a. Henri Marie Coandă) und dann die Bedeutung des Patentsystem für die Industrieelle Entwicklung allgemein gehalten hat.

Die zweite Keynote  von Simon Dewulf handelte inspirierend davon, wie man mittels Patent Informationen (Verben = Funktionen, Adjektive = Eigenschaften) innovative Produktentwicklungen nachvollziehen und selbst gestalten kann. Der Tag klang mit dem Konferenz Dinner im Palais Ghica, einem barocken Palast eines der frühen Fürsten der Walachei aus. 

Ich bin die vier Kilometer zurück zum Hotel gelaufen, um weitere Eindrücke des nächtlichen Bukarest zu gewinnen.

Der Mittwoch ist der Hauptkonferenztag. Meine Highlights waren die beiden schon oben erwähnten Vorträge von Nigel Clarke, Björn Jürgens und Alexander Kleiner-Bajaja. Aber vor allem der Vortrag von Catriona Bruce vom Patent Analytics Hub des Australischen Patentamtes, hat mich mitgenommen. Sie berichtete davon, wie sie in nur 8 Monten einen Trial und dann erfolgreich eine interaktive, visuelle Ergänzung zu ihren International Type Search Reports eingeführt haben. Der Report wird mit Tableau erstellt und als PDF und Offline Datei an die Anmelder ausgeliefert und stellt nach einer Evaluierung einen grossen Mehrwert für die Search Reports dar. Heiko Sabien vom DPMA habe ich schon einen Link zu dem Vortrag gemailt, nachdem ich ihm begeistert von dieser Initiative berichtet habe.

Am Nachmittag habe ich mit dann die neuesten Entwicklungen von Google Patents und deren öffentlich verfügbaren Patent Datenbanken auf Google BigQuery angehört.

Weitere interessante Vorträge und Teilnehmer, auf die ich hier hinweisen möchte, sind einmal Anthony Trippe von Patinformatics Ltd., der am Donnerstag mit seinen langjährigen Erfahrungen aus Patent Analyst über den Gold Standard für Machine Learning sprach. Auch kann ich empfehlen, den sehr unterhaltsamen und in der Szene Linus Wretblad von IPScreener aus Schweden auf dem Schirm zu haben, dessen Vortrag ich gleich noch hören werde und dessen Produkt sich an Studenten und Non-Patent-Professionals in KMU’s wendet.

Für das PIZnet Netzwerk konnte ich mich gut mit Dan Shalloe, Susanna Kernthaler und Nine Nuria abstimmen, die für die Koordination des europäischen PATLIB Netzwerkes zuständig sind. Ebenfalls konnte ich Heiko Sabien mit den beiden bekannt machen, beide treffen sich Ende November, um die Aktivitäten der Ämter für die PATLIBs/PIZe abzustimmen.

Dann habe ich mich auch mit Heike Vacek, Jouve, gut unterhalten können, die die Patentschriftenproduktion des Schweitzer Patentamtes gewinnen konnten. Die Produktion startet ab März 2020 und sie hat vorsichtig angefragt, ob wir sie nochmal mit unseren Erfahrungen beim Satz der PDF’s mit XML2PDF helfen könnten. Die Franzosen erinnern sich gut an unsere Unterstützung vor zwei Jahren. 

(wink)

So, vielleicht konnte ich ein paar der Inspirationen und Erkenntnisse der diesjährigen EPOPIC hier teilen und etwas Interesse wecken. Ein paar mehr Bilder packe ich vielleicht gleich noch irgendwo anders ins Netz. 

Teilen Sie diesen Post

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email