Denys7

Das Spiel eines Java-Entwicklers

„Eigentlich ist es ganz einfach“,

sagt Denys.

„Ich war für zwei Wochen in London, aber die britische Küche mag ich nicht. Da habe ich mich für Berlin entschieden.“

Diese Entscheidung führt dazu, dass Denys heute bei mtc im Team „JET“ arbeitet. Dort geht es, wie der Name vermuten lässt, tatsächlich um Schnelligkeit, um schnelle Hilfe. Ausgesprochen bedeutet JET Java Enterprise Technology. Denys und seine Teamkollegen nutzen also Java Technologien, um Kundenanfragen umzusetzen.

Das Projekt, an dem Denys seit Juni 2016 mit seinem Team arbeitet, dreht sich um das Management von Preisen für eine bestimmte Warengruppe eines Kunden.

Denys, Adrian, Thomas und Romy entwickeln hierfür ein Tool, mit dem der Kunde Daten pflegen und nach vorbestimmten Regeln Reports erzeugen kann, die den Preisverlauf seines Produktes in einem bestimmten Land dokumentieren. Bei Inflation oder Währungswechseln kann der Kunde die Preise seiner Ware mithilfe dieser Berichte anpassen. Denys entwickelt hierbei die interne Webseite für den Kunden.

Im Gespräch mit Denys fällt mir auf, wie geduldig und detailliert er versucht, mir seine Arbeit als Entwickler näherzubringen. Er spricht von Frameworks, von formalen XMLs und von flexiblen Jsons. Er zieht Vergleiche mit Word und Suchmaschinen-Anfragen. Auch, wenn ich wohl nicht Alles verstehe, schwappt seine Begeisterung von anwendbaren Technologien herüber.

„Java Web Frameworks funktionieren wie die Tool-Sammlung bei Word, mit denen du Texte schreiben und formatieren kannst und sie dienen dazu, bestimmte Aufgaben, schneller erledigen zu können. Im Grunde kannst du auch eine Sprache, zum Beispiel die deutsche Sprache, als Framework begreifen, mit der du unterschiedliche Anforderungen schnell ausführen kannst, wie etwa das Schreiben einer Mail, das Schreiben eines Geschäftsbriefes oder der Smalltalk von Person zu Person.“

Ein wenig gelingt es mir, mit Denys‘ Beschreibungen in seine Arbeit einzutauchen. Trotzdem bleiben es wohl eher meine Fußspitzen, die es in die Technologiewelt schaffen. Bei einem anderen Thema kann ich besser einsteigen, bei Denys‘ Leidenschaft für gutes Projektmanagement. Diese Leidenschaft hat Denys wohl auch zum Studium des Wirtschaftsingenieurswesens in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, seiner Geburtsstadt, geführt. Sein Berufstraum war damals, zwischen Entwicklern und Kunden zu vermitteln, im Consulting-Bereich tätig zu sein. Ein Traum, der sich erfüllt hat. Denn bei mtc geht es genau um die Verbindung zwischen der Entwicklertätigkeit und den Kundenwünschen:

„Wenn ein Ticket, also eine Kundenanfrage, hereinkommt, muss ich erst analysieren, was der Kunde möchte. Ich rede mit meinen Kollegen und dann wieder mit dem Kunden, um zu besprechen, wie die Umsetzung aussehen kann. Es ist mehr als eine Dienstleistung, weil wir nicht einfach nur die Anfrage erfüllen, sondern weiterdenken, immer wieder nachfragen, was die Bedürfnisse des Kunden sind.“

Im Unterschied zum englischen Projektmanagement fällt Denys auf, dass in Deutschland großer Wert auf die Planung und auf die Analyse gelegt wird.

„Bei großen Projekten ist eine solche komplette Analyse aber schwierig, gerade wenn neue Kollegen beteiligt sind, die sich noch nicht mit dem Produkt auskennen. Deswegen setzen wir immer mehr auf Agilität.“

Diese agile Arbeitsweise kennt Denys noch von seiner Arbeit mit einem Londoner Kunden in der Bankenbranche.

„Dort wird erst gemacht, dann gezeigt und dann verbessert. Auch wir arbeiten jetzt in kleineren Schritten, mit kleineren Features. Während wir früher 2-Monate-Iterationen hatten, haben wir heute 2-Wochen-Iterationen und feste Review- und Demo-Meetings, in denen wir mit dem Kunden kommunizieren. Das reduziert die unstrukturierte Zeit und es führt zu einer engeren Verbindung mit den Wünschen des Kunden.“

Bei aller Agilität und verbessertem Prozessmanagement bleibt die Arbeit herausfordernd. Gerade die Anfänge, erinnert sich Denys, waren schwierig. Das liegt daran, dass im JET-Team nicht mit einem öffentlichen Community Framework gearbeitet wird, sondern mit einem internen Framework, das der Kunde und mtc gemeinsam entwickelt haben.

„Bücher und Foren helfen bei der Einarbeitung also nicht weiter. Du musst dich eigenverantwortlich schlau machen; indem du den Code und interne Dokumentationen liest und indem du bei Teamkollegen und beim Kunden nachfragst.“

Ich frage Denys, was ihn in dieser Zeit motiviert hat. Seine Antwort kommt sofort, auf seine ernsthafte, entschiedene Art und doch auch mit diesem kindlichen Leuchten in den Augen:

„Ich mag komplexe Geschäftsthemen, ich mag die Entwicklung von Anwendungen, ich mag die verbesserte Qualität von Produkten, ich mag die verbesserte Zusammenarbeit im Team und mit dem Kunden.“

Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu:

„Ich mag es, die Dynamik zu sehen und Teil davon zu sein, zu sehen, wo ich helfen kann.“

Dann betont er:

„Dabei bleiben das Team und der Kunde immer wichtiger als das Produkt.“

Bei aller Technologiebegeisterung steht für Denys das Menschliche im Vordergrund. Auch sein Interesse an Brettspielen rührt daher. Denys erzählt wie er mit 14 Jahren bei seiner Tante und seinem Onkel in Bayern zum ersten Mal „Carcasonne“ spielte, sofort begeistert war und anschließend immer neue Spiele aus dem Westen nach Kiew brachte und am Feierabend mit seinen Kollegen spielte.

„Das war eine Art von Kunst, eine besondere Kunst, weil nur ich das dort kannte.“

Später beschloss er, selbst ein Spiel zu entwickeln. 2012 war es soweit: Aus Griechenland kam der Karton, die Plastikständer für die Figuren aus Britannien, die Karten und Plättchen brachte Denys in einem Koffer aus Kiew mit nach Essen. Nachts wurde das Ganze sortiert, am nächsten Tag dann auf der Spielmesse präsentiert. Denys lächelt, die Aufregung von damals steigt wohl wieder in ihm auf. Mittlerweile hat er einen eigenen Verlag und baut sein Spiele-Netzwerk in seiner Freizeit weiter aus. „Im Schatten des Throns“ heißt sein Lieblingsspiel, bei dem ihn vor allem die Interaktionen zwischen den Spielern und die Emotionen begeistern:

„Ich mag es, wie die Leute sich engagieren, wenn sie spielen, wie sie Spaß haben und dann nach dem Spiel aufstehen und sagen: Krass! Das ist auch mein Ziel in der Zusammenarbeit mit meinen Kollegen und den Kunden, dass sie in diesen Zustand kommen, in dem sie sagen: Krass, das war gut!“

Denys lächelt.

Spielen ist für ihn eine Übung dafür, sich auszuprobieren und dabei alles zu geben.

Das Spiel der Java-Entwickler tanzt da vielleicht gar nicht so sehr aus der Reihe…!?

 

 

Auch bei mtc hat Denys einen Spieleabend ins Leben gerufen…

 

 

 

 

 

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