depatech1

Die Ware ist geliefert

Jeden Freitag geht es bei uns darum, keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Freitag ist unser Produktionstag: Frische Ware wird produziert und nachmittags ausgeliefert. Die Ware kann Zahnstocher, Glocken, Drehtüren, Keilriemen, Stickstoffverbindungen und Pfeifenköpfe beinhalten, aber noch unendlich Vieles mehr! Allerdings, das sollte einschränkend erwähnt werden, in Schriftform. Denn unsere Ware dreht sich um Patentinformation.

Seit dem Jahr 2006 sind wir nun schon dabei. Jede Woche erhalten wir die Quelldaten von den Patentämtern, vom Deutschen Patent- und Markenamt, vom United States Patent and Trademark Office, vom Europäischen Patentamt, von der World Intellectual Property Organization, vom Korean Intellectual Property Office und vom Japan Patent Office. Je nach Anfrage unserer Kunden beschaffen wir uns auch Daten aus China oder Österreich und laden sie auf unseren Server. Dabei fällt auf, dass ein weltweiter Patentschutz bei der WIPO nur von den großen Namen in Anspruch genommen wird, die Eigentümer der Patente heißen Bosch, Schaeffler oder Daimler, Hans Müller nahezu nie.

Mich erstaunt es aber vor allem, dass wir tatsächlich jede Woche neue Daten bekommen. Scheinbar ist nach wie vor noch nicht alles erfunden, was man erfinden kann. Bei genauerem Hinsehen sieht man zwar, dass sich die neuen Anmeldungen von den alten häufig nur in Details unterscheiden, aber die kontinuierliche Erfinderflut bleibt faszinierend:

So könnte man denken, dass die Schraube bereits seit langer Zeit erfunden ist. Aber da hätte man der Schraubenvielfalt noch nicht Rechnung getragen. Denn es existieren Schrauben mit Kopf-Schlitz, mit Kopf-Kreuzschlitz, mit Außen-Sechskant, mit Innen-Sechsrund, mit Außen-Vierkant oder Innen-Vielzahn. Jeder für sich mit eigenem Patentanspruch.

Diesen Patentanspruch, also die Begründung, weshalb die Erfindung neu ist und noch nicht zum Stand der Technik gehört, muss ein Anmelder in dem Manuskript angeben, das er beim Patentamt einreicht. Auf Grundlage dieser Angaben sowie der Beschreibung der Erfindung entscheiden die Patentprüfer, meistens Ingenieure und Naturwissenschaftler, ob das Patent erteilt wird. Um hierfür die Recherche zu erleichtern, wird die Erfindung bereits  bei der Vorprüfung der Anmeldung in ein Klassifikationsschema, die internationale Patentklassifikation, eingeordnet, eine weit verzweigte Struktur, die seit dem Jahr 1975 (!) verwendet wird. Sie spaltet sich auf der ersten Ebene in acht Sektionen auf, zu denen “Elektrotechnik”, “Physik” und “Täglicher Lebensbedarf” gehören.

Sobald wir also die Quelldaten der Patentämter erhalten und auf unseren Server importiert haben, folgt der zweite Schritt: Das Erstellen der Trefferlisten.

Denn jeder unserer Kunden hat ein eigenes Suchprofil. Er gibt also an, welche Patentinformationen ihn interessieren, welche Klassen, welche Ämter usw. und in welchem Intervall er die Datenlieferung erhalten möchte. Meistens entscheiden sich die Kunden für eine monatliche Lieferung. Unser Produktionssystem, depatech, erstellt auf Basis dieses Profils die sogenannten Trefferlisten. Denn es weiß, welche Daten der Kunde bereits bekommen hat und demzufolge auch, welche Daten seit der letzten Lieferung in das Verzeichnis “data sources” auf dem Server hinzugekommen sind.

Im dritten Schritt füllen wir unser Verkaufslager, den sogenannten “iso store”, ebenfalls ein Verzeichnis auf dem Server.

Das geschieht, indem wir iso Dateien erstellen, die bereits die kompletten Daten und die Struktur der späteren DVD enthalten, es wird also ein virtuelles Abbild der DVD erstellt und für den Verkauf bereitgehalten.

Nun folgt nach mehreren Zwischenschritten und kleineren Handgriffen der krönende Abschluss der Produktion: der upload job oder der burn job!

Je nach Kundenwunsch werden die Daten Ende jeder Woche zum Download bereitgestellt oder sie werden auf eine DVD gebrannt.

Jede DVD bedrucken wir individuell, bereiten die DVD-Hüllen mit den Inlays vor, prüfen die Angaben der Volumenummer und stellen die Sendung mitsamt Lieferschein, Abstract, DVD und…

…Berliner Sarotti-Schokolade zusammen.

(Auf dem Foto waren wir gerade in der Schokoladen-Sommerpause, die wir in den Monaten von Juni-August aufgrund der “Schmelzgefahr” einnehmen. Deswegen ist dort nicht die “Original-Schokolade” abgebildet, die wir unseren Kunden mitliefern…)

Die Konfektionierung ist unsere wöchentliche Handarbeit, unsere Qualitätskontrolle, mit der wir unsere Produktion abschließen.

Danach schicken wir die “Ware” raus in die weite Welt, zu unseren Kunden, bei denen sie Anfang der folgenden Woche heil, sicher und (hoffentlich) ohne Fingerabdrücke ankommt, die Patentrecherche vereinfacht und auch die Schokoladen-Glücksgefühle entfacht.

Verantwortlich, schon seit unserer Übernahme der Produktion von der Bundesdruckerei im Jahr 2006, ist Udo, der als Operator zusammen mit Marc Woche für Woche die Produktion sicherstellt und akribisch genau auf die Details achtet…

 

Teilen Sie diesen Post

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email